IPSC

IPSC steht für die International Practical Shooting Confederation und ist der weltweite Zusammenschluss der Verbände des dynamischen Schießens. Beim IPSC-Schießen handelt es sich um eine Sportart, die es sich zum Ziel gesetzt hat, drei Elemente in den Vordergrund zu stellen.

  • Diligentia (Präzision)
  • Vis (Kraft)
  • Celeritas (Geschwindigkeit)

Diese drei Bereiche dominieren die Philosophie des IPSC-Schießens.

Unter dem Dachverband des Bund Deutscher Sportschützen (BDS) mit ihrem Präsidenten Herrn Friedrich Gepperth, wird diese Sportart von ca. 33000 Schützen bundesweit betrieben, bei dem diese Elemente Berücksichtigung finden. Diese Art des Schießens ist nicht zu verwechseln mit dem IDPA-Schießen (International Defense Pistol Association – Internationaler Zusammenschluss des Verteidigungsschießens).

Vergleichbar mit dem Biathlon, wo Schießen und körperliche Anstrengung gepaart sind, ist beim IPSC-Schießen ein professioneller Umgang mit dem Sportgerät, innerhalb kürzester Zeit bei genauester Treffpunktlage zur Erfüllung der Übungen entscheidend. Wie auch beim Biathlon entscheiden hier Zehntelsekunden und Treffsicherheit über Sieg oder Niederlage.

Neben dem High-Tech- Sportgerät ist der engagierte IPSC-Schütze gezwungen, seine Munition selbst wiederzuladen. Auch spezielle körperliche, wie psychische Anforderungen sind an einen Schützen gestellt. Bei einem Wettkampf müssen das Sportgerät, die Ausrüstung, die psychisches und physische Verfassung des Wettkämpfers in wirklicher Harmonie sein. Die kleinste Unsicherheit, der kleinste Fehler, ein winziger Defekt an Sportgerät oder Ausrüstung lassen unter Umständen den gesamten Wettkampf scheitern.

 

Die neuen IPSC-Regeln und Wertungsklassen (von Friedrich Gepperth)

Neue Wertungsklassen und Veränderungen bei den bisherigen Klassen

Offene Klasse (Open Division)

Hier hat sich etwas sehr wesentliches geändert, nämlich der Major Faktor. Statt wie bisher 175 gilt nun 160. Zudem wurde ein Mindestgeschossgewicht von 120 grains (7,9g) festgelegt. Entgegen den Veröffentlichungen bei der USPSA wurde kein Höchstfaktor bzw. eine Höchstgeschwindigkeit beschlossen. Darüber wurde geredet, es wurden aber keine Beschlüsse gefasst. Ansonsten sind keinerlei Änderungen gegenüber den bisherigen Regeln für die Offene Klasse beschlossen worden. Auch der Name bleibt und wird nicht in „Unlimited“ geändert.

Standard Klasse (Standard Division)

Hier hat sich ausschließlich der Wert für den Major Faktor geändert. Statt wie bisher 175 zukünftig 170. Weiterhin bleibt es bei dem Namen „Standard“ und bei der Kontrolle der Waffen wird es auch weiterhin erforderlich sein, dass die Waffen mit eingeführtem Magazin in den Kasten passen müssen. Dies gilt für alle verwendeten Magazine.

Modified Klasse (Modified Division)

Hier hat sich ebenso wie in der Standard Klasse nur der Major Faktor von 175 auf 170 geändert. Alles andere bleibt wie bisher. Ebenso wurde nicht beschlossen, die Klasse abzuschaffen.

Production Klasse (Production Division)

Diese Klasse ist neu. In ihr gibt es nur einen Faktor. Dieser wurde auf 125 festgesetzt. Treffer werden mit der Majorwertung gewertet (5/4/2). Es gibt weder ein Mindestgeschossgewicht noch nach oben irgendeine Geschwindigkeits- oder Faktorbeschränkung. Mindestkaliber ist 9mm.

Zugelassen sind nur Waffen, die in der von der IPSC veröffentlichten Liste enthalten sind. Grundsätzlich können keine konventionellen Single-Action Waffen (1911, FN-HiPower und ähnliche) verwendet werden. Zugelassen sind Double-Action Pistolen und außerdem bisher nur die Glock. Dabei gilt für alle verwendeten Waffen ein Mindestabzugsgewicht für den ersten Schuss von 5 englischen Pfund (5 x 454 g = 2,272 kg). Darüber hinaus können nur Waffen mit einer max. Lauflänge von 127 mm (5 Zoll) in die Liste aufgenommen werden. Selbstverständlich nur Waffen ohne Kompensator und Optik. Der Austausch von originalen Innenteilen an den Waffen ist nicht gestattet. Es gibt keine Beschränkung bei der Magazinkapazität soweit ein Originalmagazin in Standardlänge verwendet wird. Austauschmagazine von Fremdfabrikaten dürfen nur verwendet werden, soweit sie in der Länge den Originalmagazinen entsprechen. Überlange und sogenannte „+“Magazine dürfen nicht verwendet werden. Austauschmagazine, die über eine höhere Kapazität als Originalmagazine verfügen, obwohl sie die gleiche Gesamtlänge haben, dürfen verwendet werden. Holster- und Magazintaschenposition sind wie bei der Standard- und der Modified- Klasse geregelt: hinter den Hüftknochen.

Revolver Standard Klasse (Revolver Standard Division)

Diese Klasse ist ebenfalls neu. Zugelassen sind ausschließlich fabrikmäßige Revolver. Ausgetauscht werden dürfen die original offene Visierung durch eine andere offene Visierung, die Originalgriffschalen durch andere Originalgriffschalen sowie der Trommelarretierungsknopf. Die Revolver dürfen bei ihrer Verwendung höchstens mit 6 Schuss geladen werden, unabhängig von der Trommelkapazität. Revolver, die fabrikmäßig Ladeclips verwenden, können benutzt werden (z.B. Smith & Wesson Modell 625). Der nachträgliche Umbau von Revolvern auf die Verwendung von Ladeclips ist, soweit diese Revolver fabrikmäßig nicht dafür geeignet sind, nicht zulässig. Die Lauflängen der verwendeten Revolver, solange sie den Fabrikausführungen entsprechen, sind beliebig. Ebenso das Abzugsgewicht. Der Austausch von Läufen ist nicht gestattet. Holster- und Magazin-Positionen sind beliebig. Die Major Wertung wird bei einem Faktor von 170 erreicht, Minor bei 125. Das Mindestkaliber (auch für Major) beträgt 9mm, so dass mit 357 Magnum Revolver Major geschossen werden kann.

Konsequenzen

Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass die Vielzahl der Klassen eine ganze Reihe von Problemen für den Verband und die Veranstalter von Matchen mit sich bringen. Es muss geklärt werden, welche Klassen überhaupt und wann gewertet werden bzw. für welche Klassen separate Meisterschaften ausgerichtet werden. Hiermit wird sich die Technische Kommission des BDS sowie das GROI noch auseinandersetzen. Insbesondere die Revolver Klasse sollte meiner Meinung nach vor allem in separaten Wettbewerben angeboten werden um den besonderen Eigenheiten der Sechsschüsser gerecht zu werden.

Eines lässt sich heute aber schon mit Sicherheit sagen: Die Offene Klasse wird durch diese Neuregelungen erheblichen Schwung erhalten. Vielleicht sogar einen zweiten Frühling. Das Wiederladen der 9mm Parabellum aus Waffen mit einer Lauflänge von über 135 mm auf einen Faktor von über 160 dürfte mit den geeigneten Pulvern (z.B. SNPE SP8) problemlos möglich sein und wird vom Verband auch nicht moniert werden. Damit werden wir wohl eine ganze Reihe von neuen Waffen in der Offenen Klasse sehen. H&K, Beretta, Vektor und Glock lassen grüßen. Alle waren bisher in der Offenen Klasse praktisch nicht an Bord.

Bei der Munition ist es offen, ob es allgemein verfügbare Fabriklaborierungen geben wird, die die 160 sicher packen. Nahe dran sind eine ganze Menge. Mit letzteren knackigen Laborierungen a la`B2 wird sich in jedem Fall für alle Nichtwiederlader kostengünstig trainieren lassen. Alle vorhandenen Waffen im Kaliber 38 Super und ähnliche sind natürlich immer noch erste Wahl. Eine 38 Super mit Faktor 165 ist ein Genuss zum Schießen und die dazugehörenden Superkanonen sind immer noch das beste was derzeit verfügbar ist.

In der Standard Klasse verändert sich nahezu nichts bis auf die marginal schwächer verwendbare Munition. Dies hat allerdings zur Folge, dass viele Billigheimer-Laborierungen, die in der Regel um den Faktor 175 liegen, zukünftig perfekt geeignet sein werden. Für die Wiederlader und Anhänger schneller Pulversorten könnte ein um 5 Punkte niedriger Faktor gleich ein paar hundert Bar weniger Druck mit sich bringen.

Die Modified Klasse hat alleine dadurch, dass sie noch am Leben gelassen wurde, auch noch keinen einzigen neuen Anhänger gefunden. Konkurrenzfähig sind zukünftig ausschließlich kompensierte Pistolen, mit einer optisch-elektronischen Visierung. Warum man denn nicht dann gleich auf die Offene Klasse geht, ist mir vollkommen schleierhaft. Hier ist, was das mittelfristige Überleben der Klasse angeht, das letzte Wörtchen sicherlich noch nicht gesprochen.

Allen Revolverfreaks sei eines ins Stammbuch geschrieben: Wenn sie wollen, daß es zukünftig irgendwann einmal auch als internationale Wertungsklasse eine „Offene Revolver Klasse“ mit Points, Comps und 8 Schuss geben soll, so ist die mindeste Voraussetzung eine gewaltige Nachfrage nach der Revolver Standard Klasse. Ist diese nämlich sehr gut besetzt, kann man natürlich auch über die Neuschaffung einer Revolver Open Klasse diskutieren. Vielleicht aber bitte nicht gleich im Jahr 2000.

Das neue Regelwerk

Die neuen IPSC-Regeln verändern das Schießen, so wie es derzeit durchgeführt wird, praktisch nur minimal. Allein für die Organisatoren von Wettbewerben gibt es einige Änderungen, die im einzelnen zu beachten sind: So ändert sich z. B., daß es nur noch einheitliche Sicherheitszonen (Safety Areas) gibt. Auch gibt es derzeit keine verschwindenden Scheiben mehr. Wichtig ist dabei folgendes: Das gesamte neue Regelwerk ist für ein Jahr provisorisch. Endgültig sollen die neuen Regeln erst im Jahr 2000 festgelegt werden. Alle Änderungswünsche sind deshalb bis zur Weltkonferenz, die im September 2000 stattfinden wird, vorzubringen. Eine dramatische Verbesserung stellen die neuen Regeln hinsichtlich des Erscheinungsbildes des IPSC-Schießens dar. So heißt es zukünftig statt „Praktischem Schießen“ nun „IPSC-Schießen“, statt „No-Shoot“ zukünftig „Strafscheibe“ (Penalty-Target). Auch andere anstößige Regelsequenzen sind vollkommen verschwunden. Wer vermutet, daß ein Deutscher auch auf diese Terminologieänderungen Einfluss genommen hat, liegt wohl nicht so ganz daneben. Die entsprechende Diktion verwendet der BDS bereits seit 1991 und das sicherlich zur vollsten Zufriedenheit, was das Ansehen des IPSC-Schießens in Deutschland angeht. Denn wo nichts praktisch ist, kann sich praktisch auch keiner daran stören. Wir sind derzeit dabei, die Regeln zu übersetzen und stellen diese sofort danach in diese Homepage. Auf englisch können die Regeln bereits beim Weltverband eingesehen werden. (www.ipsc.org).

Eine grundsätzliche Meinung

Die 14. Edition der Internationalen IPSC-Regeln bedeutet für den Deutschen IPSC-Sport den endgültigen Durchbruch. Nach mehr als 15 Jahren des Bemühens um eine angemessene Darstellung des Schießens in den internationalen Regeln ist uns dies nun endlich gelungen. Die ganzen Altlasten aus der Anfangszeit des IPSC-Schießens sind dort, wo sie hingehören, auf der Müllhalde der Geschichte. Die neuen Regeln stellen das IPSC-Schießen so dar, wie es seit vielen Jahren ja wirklich ist: Als eine dynamische Bewegungsschießsportart, die mit der „Praxis“, also dem irgendwie gearteten kampfmäßigen Schießen, überhaupt nichts zu tun hat. Der sportliche Aspekt dominiert nun vollkommen und lässt somit auch keinerlei Zweifel darüber aufkommen, dass der sportliche Anstrich des IPSC-Schießens kein Alibi für irgendwelche kruden Hintergedanken ist. Langfristig wird es sicherlich auch notwendig sein, die gegenwärtig verwendete exzellente Classic-Scheibe durch eine runde Scheibe von etwa derselben Größe mit symmetrischen Wertungsfeldern zu ersetzen. Dies wird aber sicherlich noch einige Jahre benötigen.

Wann werden das neue Regelwerk und die Änderungen bei den Wertungsklassen wirksam?

International gelten die neuen Regeln und Klassen ab dem 01.01.200. Wir streben an, dies beim BDS ebenso zu halten und sehen keinerlei Veranlassung, zukünftig andere als die ins deutsche übersetzten internationalen Regeln zu verwenden. Dies stellt dann endlich den Idealzustand dar, den der BDS seit der Übernahme der IPSC-Vertretung 1990 immer haben wollten: die Einheit von internationalem und nationalem Regelwerk.

Der Verlauf der Weltversammlung

Die Weltversammlung 1999 erinnerte mich etwas an die Versammlungen Anfang der 90er Jahre, bei denen es auch immer so munter drunter und drüber ging und der Weltpräsident als Versammlungsleiter wie ein Schiffbrüchiger im Ozean hin und her gestoßen wurde. Auf deutsch gesagt, es ging ziemlich durcheinander zu. Zunächst einmal war der Schlachtplan, die Regeln mit geringsten Änderungen, so wie sie vorgesehen waren, durchzuziehen, von vornherein auf dünnem Eis gebaut, da vor allem die englisch-sprachigen Regionen aus dem ehemaligen Comonwealthstaaten (Australien, Neuseeland, Südafrika und Simbabwe) und der USA fundamentale Einwände gegen die Einführung der Regeln hatten. Dabei war nicht so sehr maßgebend, dass sich diese Regionen an grundsätzlichen Dingen der neuen Regeln störten, sondern daß sie diese Regeln erst knapp 4 Wochen vor der Weltversammlung bekommen hatten und eine ganze Menge kleiner Details entdeckten, die ihnen nicht paßten. Gegen die große Linie, das IPSC-Schießen endlich als das darzustellen, was es ist, nämlich Sportschießen, hatte auch keiner dieser Vertreter etwas einzuwenden. Da wir uns zeitlich eine weitere Verzögerung bei der Abschaffung des alten und katastrophalen internationalen Reglements (unter dem Gesichtspunkt der political correctness) nicht mehr leisten konnten, habe ich mit aller Gewalt einen Beschluss durchgeboxt, die neuen Regeln zu übernehmen, was anfangs ein wenig auf der Kippe stand. Danach ging der Versuch, die Regeln in ihrer ganzen epischen Breite und damit in allen Details auf der Weltversammlung zu besprechen, zwangsweise krachend daneben und stellt das oben angesprochene dünne Eis des Schlachtplanes dar. Deshalb wurde zu der Notlösung gegriffen, die Regeln so wie sie sind, provisorisch für ein Jahr zu übernehmen und dann die notwendigen Korrekturen vorzunehmen. Allein die Wertungsklassen (Divisions) wurden detailliert diskutiert und verabschiedet. Dabei haben die USA ein beispielloses Fiasko erlebt, ihre Wünsche in der Standard Klasse zukünftig bei Messen der Größenmaße der verwendeten Waffen dies ohne eingeführte Magazine zu tun und in der Production Klasse nur das Laden von 10 Schuss zu erlauben, wurden sie von der überwältigenden Mehrheit der anwesenden Vertreter gnadenlos niedergebügelt. Die Vertreter der USPSA haben in den letzten Jahren die lange Tradition ihres Verbandes fortgesetzt, keinerlei Lobbyarbeit bei den anderen IPSC-Mitgliedsländern für die eigenen Wünsche zu leisten. Seitdem ich Deutschland auf der Weltkonferenz vertrete (1989), ist es immer das gleiche. Die Amis kriegen eine auf die Nuss und ziehen sich dann schmollend in eine Ecke zurück. Zumindest wurden diesmal Andy Hollar und John Amidon in brutalster Weise die Chancenlosigkeit ihrer eigenen Anliegen bewusst.

Über den administrativen Teil der Weltversammlung gibt es nichts sonderlich Aufregendes zu berichten. Alleine das der IPSC-Weltpräsident zukünftig, wenn es denn die Finanzen erlauben, ein Gehalt bekommen darf, ist festzuhalten. Allerdings wird dies zukünftig von der Weltversammlung und nicht vom vom Präsidenten ernannten Exekutivkomitee festgesetzt. Litauen und Russland sind zukünftig Vollmitglieder, auch wenn in letzterem der private Besitz von Kurzwaffen noch sehr schwierig ist.

Last but not least sollte nicht vergessen werden, dass IPSC-Präsident Alexakos mit überragender Mehrheit in geheimer Wahl als IPSC-Präsident bestätigt wurde. Dass sich niemand getraut hat, gegen ihn anzutreten zeigt, wie sehr ihn alle mit dieser Position identifizieren, was sicherlich ein Kompliment ist. Ohne ihn wäre der Verband nur ein Torso.

Friedrich Gepperth